Alles beginnt und endet mit der richtigen Einstellung – aber ist es wirklich so einfach?

Das neue Jahrzehnt hat gerade erst begonnen und man hat den Eindruck eine Einsicht hat sich im Rechtsmarkt durchgesetzt: Legal Tech ist wichtig. Man sollte etwas in diese Richtung unternehmen. Doch warum bleibt es meist bei dieser recht nüchternen Feststellung? Warum straucheln immer noch die meisten, wenn es darum geht echte Projekte auf die Beine zu stellen oder erfolgreich Produkte zu implementieren? Denn an zwei Sachen mangelt es im Grunde nicht. Zum einen gibt es im juristischen Bereich sicherlich genügend schlaue Köpfe, die in der Lage sind komplexeste Sachverhalte von unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und zu evaluieren. Zum anderen geht es vielen Kanzleien wirtschaftlich gut. Die Möglichkeit ein Budget für Legal Tech zu mobilisieren dürfte vorhanden sein. Doch woran scheitert es dann? 


Bilanz 

Festzustellen ist zunächst, dass es nicht reicht Digitalisierung um der Digitalisierungswillen durchzuführen. Ein schlechter Prozess wird nicht dadurch besser, dass er digitalisiert wurde. Software einzukaufen und sie dann nicht richtig zu implementieren ist ebenso wenig zielführend. Denn Ansammlungen von „da haben wir doch dieses Tool, aber das habe ich noch nie benutzt“ Software bringt niemanden weiter. Doch auch über diesen Zustand sind sich viele Kanzleien bewusst. 


Einstellungen 

Unterm Strich ist das Wissen vorhanden, doch woran es mangelt ist die Umsetzung. Und die geht ganz entscheidend einher mit der richtigen Einstellung zu Legal Tech. Eine Einstellung ist die aus der Erfahrung kommende Bereitschaft eines Individuums, in bestimmter Weise auf eine Person, ein Objekt oder eine Vorstellung wertend zu reagieren. Beispiele sind Vorurteile oder aber auch Sympathien. Diese können sich bewusst oder unterbewusst etablieren. Ganz maßgeblich resultieren Einstellungen jedoch aus unseren Erfahrungen. Drei Einstellungen, die uns zu Legal Tech immer wieder begegnen sind die folgenden: 

  1. Nur die durch den (menschlichen) Juristen erbrachte juristische Arbeit ist qualitativ wertvoll.
  2. Juristen können alles gut einschätzen.
  3. Das lohnt sich alles nicht.

Change-Management 

Die Frage die sich stellt ist somit, wie diese alten Einstellungen in neue Einstellungen transformiert werden können. Etwa in: 

  1. Digitale und standardisierte Dienstleistungen erhöhen Transparenz und Qualität
  2. Es ist okay, dass ich nicht alles kann und mir helfen lasse.
  3. Digitalisierung ermöglicht es mir mit weniger repetitiver Arbeit mehr Geld zu verdienen und mich auf meine Kernkompetenzen zu fokussieren. 

Um diese neuen Einstellungen zu erreichen lohnt es sich einen Blick auf die typischen im Change-Management vertretenen Modelle zu werfen. Zum einen kann die emotionale Seite eines abrupten Veränderungsprozesses betrachtet werden. Von Schock und Angst vor der neuen Situation, über Ablehnung, hinzu rationaler Einsicht und schließlich zu emotionaler Akzeptanz sowie der Erkenntnis und Integration einer Veränderung ist hier eine gesamte Palette an Emotionen vorzufinden. Es ist demnach lohnenswert zu evaluieren an welchem Punkt der Emotionen man steht. So kann die erste Phase des Schocks zum Beispiel mit einem starken Nachlass der Produktivität sowie aktivem Bekämpfen der Veränderung einhergehen. Diese Emotionen sind jedoch ganz normal und verändern sich über die Zeit. Das im Kopf zu behalten kann ein wichtiger Faktor bei der Etablierung von Veränderungen sein.  

Weiterhin wirken bei einem Veränderungsprozess immer zwei Kräfte gegeneinander. 

Die einen möchten den Erhalt des Status Quo fördern, die anderen wollen Veränderungen provozieren. Eine Veränderung kann außerdem in drei Phasen eingeteilt werden. 

  1. Auftauen: Vorbereitung auf die Veränderungen, wie Analyse, Information, Diskussion und Motivation – Initiierung eines Veränderungsbewusstseins 
  2. Bewegen: Änderungen durchgeführt, Lösungen generiert, Neues wird ausprobiert, Reaktionsweisen werden herausgebildet und der Status Quo wird verlassen.
  3. Einfrieren: Um- und Eingewöhnung an die neue Situation, durch Stabilisation wird ein Gleichgewicht hergestellt. 

Diese Phasen sind selbstverständlich nicht immer gleich lang. Gerade die Phase des Freezings wird unter durch agiles Projetmanagement immer kürzer.

Was braucht es also für erfolgreiche Veränderungen? 

Die Changemanagementmodelle zeigen, für erfolgreiche Veränderungen müssen zunächst alte Einstellungen identifiziert werden. Der Prozess, der nun folgt, ist geprägt von Höhen und Tiefen. Widerstände werden entstehen aber wichtig ist zu wissen: sie werden sich auch wieder lösen. Um den Blick darauf nicht zu verlieren, hilft es die vorgestellten Modelle im Kopf zu behalten.

Quellen: 
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/einstellung-34889
http://www.kurt-lewin.de/3-phasen-modell.shtml

Über den Autor

Autorenbild Charlotte Falk
Charlotte Falk
Communications & Innovation
Charlotte hat einen abgeschlossenen Bachelor in Kommunikationswissenschaften & BWL von der Universität Mannheim und begann in dessen Endzügen 2016 ihr Jurastudium. Durch verschiedene Projekte in Kommunikationsberatungen, der Unternehmenskommunikation von großen Konzernen aber auch Kanzleien weiß sie ihr Know-How einzusetzen. Kommunikations- und Innovationskonzepte sind ihr Steckenpferd. Ihre Stärken sind ihr interdisziplinärer Hintergrund und der dadurch geschärfte Blick für sinnvolle Schnittstellen.

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