Wie investieren Juristen eigentlich?

In meinem letzten Artikel ging es um die Frage, ob juristische Dienstleistungen nicht reine Commodity-Dienstleistungen sind. Festhalten lassen sich besonders zwei Aspekte: erstens gibt es die Entwicklung von juristischen Dienstleistungen hin zu Commodity-Dienstleistungen schon lange und zweitens wird sich diese Entwicklung in allen Bereichen der juristischen Dienstleistungen, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, fortsetzen.

In diesem Artikel wollen wir uns zunächst der Frage widmen, was man als juristischer Dienstleister tun kann, wenn man nicht in die sogenannte „Commodity-Falle“ laufen und sich einem Preiskampf entziehen will. Darauf aufbauend betrachten wir, wie Juristen in der Vergangenheit und mehrheitlich auch aktuell investieren und wie sich der Blick von Juristen auf Investitionen in Ihre eigene Dienstleistung verändern sollte.

Was also können juristische Dienstleister tun? Emotionalität ist ein Alleinstellungsmerkmal

Grundsätzlich lassen sich emotionale Erfahrungen und Dienstleistungen mit einem starken zwischenmenschlichen Faktor weniger stark vergleichen. Beispiele dafür sind die Beratung im Familienrecht, in der Gestaltung von Testamenten im Erbrecht oder auch die Nachfolgeplanung. Wer also noch am Anfang seiner Karriere steht oder auf der Suche nach einer stärkeren Spezialisierung ist, sollte sich überlegen, verstärkt in Beratungsfeldern mit einer starken emotionalen Komponente aktiv zu werden.

Eine gute Idee ist aber vor allem die Investition in weitere Alleinstellungsmerkmale. Also Investitionen in die Marke, die Kundenerfahrung und neue Geschäftsmodelle.

Natürlich sehen auch die meisten Marktteilnehmer diese Veränderungen und die Notwendigkeit zu investieren. Warum aber bleibt der Eindruck, dass sich die meisten Juristen wenig bis gar nicht bewegen?

Wie Juristen investieren

Zu einem nicht unerheblichen Teil ist dies auf das Verständnis der Juristen von Investitionen zurückzuführen.

Natürlich liegt es Juristen nicht fern zu investieren: Erst investierten sie viel Zeit, Geld und Mühen in eine überdurchschnittliche lange und wohl auch überdurchschnittlich anspruchsvolle Ausbildung. Dann müssen Mandate akquiriert und Kontakte gepflegt werden. Dafür werden und wurden beispielsweise Branchentreffen, Abendveranstaltungen, kulturelle und soziale Events, Messen und Sportereignisse besucht. Dabei neue Kontakte geknüpft und – wenn es gut läuft – neue Mandate akquiriert. Investitionen sind also stark auf die eigene Person, das eigene Netzwerk und auf die Gewinnung von neuen Mandanten beschränkt.

Investitionen in das Produkt der Rechtsdienstleistung in Bezug auf den Prozess, den der Mandant durchläuft und die Art und Weise, wie das eigene Geschäftsmodell aufgestellt ist, finden noch zu häufig nicht statt. Solche Investitionen sind aber schon seit einiger Zeit durch neue technische Möglichkeiten für die Erbringung von Rechtsdienstleistungen möglich.

Ein neuer Investmenthorizont für Juristen

Eine weitere Herausforderung bei dem Umgang mit neuen technischen Möglichkeiten für Juristen ist der sich verschiebende Investmenthorizont.

Klassischerweise rentieren sich Investitionen einer Kanzlei über einen relativ kurzen Zeitraum. Werden mehr Associates eingestellt und Geld sowie Zeit in die Gewinnung von neuen Mandaten investiert, rechnet sich dies vergleichsweise rasch. Dieser Return on Investment (ROI) ist aber grundsätzlich linear. Je mehr investiert wird, desto mehr Stunden können in der Mandatsarbeit verkauft werden. Neue technische Lösungen ermöglichen es Anwälten, erstmals so zu investieren, dass der ROI über den Zeitverlauf steigt und im Idealfall nicht linear, sondern exponentiell ist. Dazu muss allerdings eine längere Investitionszeit auf sich genommen werden.

Juristen sollten also einerseits Ihren Investitionsfokus verschieben und andererseits längere Investitionszyklen auf sich nehmen, um neue Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln und so der Commoditisierung der eigenen Dienstleistung zu entgehen. Neben der Fokussierung auf stärker emotional behaftete Themenfelder stellt die Investition in die eigene Rechtsdienstleistung also einen guten und gangbaren Weg für Juristen in allen Bereichen dar.

Über den Autor

Autorenbild Paul Schirmer
Paul Schirmer
Business Development & Analytics
Paul wird sein Jurastudium voraussichtlich im Frühjahr 2019 abschließen. Schon während der Schulzeit arbeitete er an der Umsetzung von eigenen Geschäftsmodellen. Heute beschäftigt er sich mit den Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Recht. Zu seinen Spezialgebieten gehören die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen und Marketingstrategien, qualitative sowie quantitative Marktanalysen unter anderem zur Sondierung von neuen Beteiligungsfeldern für Investoren und klassische Projektmanagementarbeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SFS Blog

 

Der SFS Blog beschäftigt sich mit allem rund um das Thema Legal Tech. SFS ist eine Digital- und Innovationsberatung für die Herausforderungen des Rechtsmarkts von morgen. Wir ermöglichen Ihnen kreativ und konzeptionell über den Tellerrand zu blicken.

Unser Team ist interdisziplinär aufgestellt und immer motiviert neuen Entwicklungen auf den Grund zu gehen. Wir stellen Veränderungen auf den Prüfstand und beraten in Punkto Trends, die man nicht verpassen sollte. Wir denken nicht alt, sondern neu und sind damit der ideale Partner für zukunftsorientierte Unternehmen, die sich im Rechtsmarkt von morgen behaupten wollen.

Kategorien