Wie investieren Juristen eigentlich?

In meinem letzten Artikel ging es um die Frage, ob juristische Dienstleistungen nicht reine Commodity-Dienstleistungen sind. Festhalten lassen sich besonders zwei Aspekte: erstens gibt es die Entwicklung von juristischen Dienstleistungen hin zu Commodity-Dienstleistungen schon lange und zweitens wird sich diese Entwicklung in allen Bereichen der juristischen Dienstleistungen, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, fortsetzen.

In diesem Artikel wollen wir uns zunächst der Frage widmen, was man als juristischer Dienstleister tun kann, wenn man nicht in die sogenannte „Commodity-Falle“ laufen und sich einem Preiskampf entziehen will. Darauf aufbauend betrachten wir, wie Juristen in der Vergangenheit und mehrheitlich auch aktuell investieren und wie sich der Blick von Juristen auf Investitionen in Ihre eigene Dienstleistung verändern sollte.

Was also können juristische Dienstleister tun? Emotionalität ist ein Alleinstellungsmerkmal

Grundsätzlich lassen sich emotionale Erfahrungen und Dienstleistungen mit einem starken zwischenmenschlichen Faktor weniger stark vergleichen. Beispiele dafür sind die Beratung im Familienrecht, in der Gestaltung von Testamenten im Erbrecht oder auch die Nachfolgeplanung. Wer also noch am Anfang seiner Karriere steht oder auf der Suche nach einer stärkeren Spezialisierung ist, sollte sich überlegen, verstärkt in Beratungsfeldern mit einer starken emotionalen Komponente aktiv zu werden.

Eine gute Idee ist aber vor allem die Investition in weitere Alleinstellungsmerkmale. Also Investitionen in die Marke, die Kundenerfahrung und neue Geschäftsmodelle.

Natürlich sehen auch die meisten Marktteilnehmer diese Veränderungen und die Notwendigkeit zu investieren. Warum aber bleibt der Eindruck, dass sich die meisten Juristen wenig bis gar nicht bewegen?

Wie Juristen investieren

Zu einem nicht unerheblichen Teil ist dies auf das Verständnis der Juristen von Investitionen zurückzuführen.

Natürlich liegt es Juristen nicht fern zu investieren: Erst investierten sie viel Zeit, Geld und Mühen in eine überdurchschnittliche lange und wohl auch überdurchschnittlich anspruchsvolle Ausbildung. Dann müssen Mandate akquiriert und Kontakte gepflegt werden. Dafür werden und wurden beispielsweise Branchentreffen, Abendveranstaltungen, kulturelle und soziale Events, Messen und Sportereignisse besucht. Dabei neue Kontakte geknüpft und – wenn es gut läuft – neue Mandate akquiriert. Investitionen sind also stark auf die eigene Person, das eigene Netzwerk und auf die Gewinnung von neuen Mandanten beschränkt.

Investitionen in das Produkt der Rechtsdienstleistung in Bezug auf den Prozess, den der Mandant durchläuft und die Art und Weise, wie das eigene Geschäftsmodell aufgestellt ist, finden noch zu häufig nicht statt. Solche Investitionen sind aber schon seit einiger Zeit durch neue technische Möglichkeiten für die Erbringung von Rechtsdienstleistungen möglich.

Ein neuer Investmenthorizont für Juristen

Eine weitere Herausforderung bei dem Umgang mit neuen technischen Möglichkeiten für Juristen ist der sich verschiebende Investmenthorizont.

Klassischerweise rentieren sich Investitionen einer Kanzlei über einen relativ kurzen Zeitraum. Werden mehr Associates eingestellt und Geld sowie Zeit in die Gewinnung von neuen Mandaten investiert, rechnet sich dies vergleichsweise rasch. Dieser Return on Investment (ROI) ist aber grundsätzlich linear. Je mehr investiert wird, desto mehr Stunden können in der Mandatsarbeit verkauft werden. Neue technische Lösungen ermöglichen es Anwälten, erstmals so zu investieren, dass der ROI über den Zeitverlauf steigt und im Idealfall nicht linear, sondern exponentiell ist. Dazu muss allerdings eine längere Investitionszeit auf sich genommen werden.

Juristen sollten also einerseits Ihren Investitionsfokus verschieben und andererseits längere Investitionszyklen auf sich nehmen, um neue Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln und so der Commoditisierung der eigenen Dienstleistung zu entgehen. Neben der Fokussierung auf stärker emotional behaftete Themenfelder stellt die Investition in die eigene Rechtsdienstleistung also einen guten und gangbaren Weg für Juristen in allen Bereichen dar.

Weiterlesen

Sind Juristische Dienstleistungen eine reine Commodity-Dienstleistung?

Eine sogenannte „Commodity-Dienstleistung“ (auch „Allerweltsprodukt“) ist eine Dienstleistung, die standardisiert und von einigen Marktteilnehmern in der gleichen Qualität und zu einem vergleichbaren Preis angeboten wird. In einem Markt mit solchen Dienstleistungen bleibt im Extremfall das Drehen an der Preisschraube die letzte Möglichkeit, um sich von Konkurrenzangeboten zu unterscheiden. Beispiele für Commodity-Dienstleistungen sind etwa Reinigungsservices, das Online-Banking oder auch die Nutzung eines Electroscooters.

Viele juristische Dienstleistungen entwickeln sich zu Commodity-Dienstleistungen

Auf den ersten Blick mag es für viele Juristen kontraintuitiv sein, dort auch juristische Dienstleistungen zu verorten. Doch ein genauerer Blick auf den Markt zeigt: Die Entwicklung hin zu Commodity-Dienstleistungen gibt es unter den vielen verschiedenen juristischen Dienstleistungen schon lange.

Ein etwas älteres Beispiel ist die Erstellung von AGB für einen Webshop oder eine Homepage. Konnten hierfür vor einigen Jahren noch gute Stundensätze in Rechnung gestellt werden, gibt es mittlerweile für diese Art von Dienstleistungen eine Vielzahl von professionellen Anbietern am Markt. Diese arbeiten nicht nur deutlich günstiger als klassische Kanzleien, sondern bisweilen sogar kostenlos.[1]

Ein aktuelleres Beispiel ist rund um Fluggastrechte zu finden. Neben dem wohl bekanntesten Unternehmen für die Durchsetzung von Fluggastrechten Flightright[2], gibt es immer mehr Unternehmen, die sich untereinander nur in wenigen Facetten unterscheiden.

Beispiele für Anbieter, die Dienstleistungen standardisieren finden sich auch im Arbeitsrecht (z.B. www.chevalier.law), Sozialrecht (z.B. www.atornix.de), Verkehrsrecht (z.B. www.blitzerhelp.de) und vielen weiteren Rechtsgebieten.

Transparenz sorgt für eine stärkere „Commoditisierung“

Die große und vielleicht auch bedrohlich wirkende Frage ist also: Bewegt sich der gesamte Markt für juristische Dienstleistungen hin zu einem Markt für Commodity-Dienstleistungen?

An dieser Stelle kann nur eine sehr zurückhaltende Entwarnung und auch nur mit Blick auf die kurze bis mittlere Frist gegeben werden.

Aktuell entstehen die neuen Marktteilnehmer vor allem im Bereich des Verbrauchermarkts. Hier zeigt sich außerdem durch neue Anbieter wie advocado[3] oder anwalt24[4] der Trend zu mehr Transparenz im Markt und eine Veränderung von der Auswahl des Rechtsberaters nach Empfehlungen aus dem eigenem Bekanntenkreis, hin zu einer Auswahl nach vergleichbaren Kriterien wie Preis, Bewertungen von einer Vielzahl anderer Mandanten und Professionalität der Dienstleistung. Ein solcher transparenterer Markt ist dabei immer eine notwendige Bedingung für die Commoditisierung von Dienstleistungen.

Aktuell noch entspannter dürfen die Dienstleister in die kurz und mittelfristige Zukunft blicken, die sich auf die Beratung von Unternehmen oder der öffentlichen Hand fokussieren. Durch die im Durchschnitt höhere Komplexität der jeweiligen Mandate, die, zumindest bis vor kurzem noch, gute gesamtwirtschaftliche Lage und einige lukrative Sondereffekte wie den Dieselskandal, gibt es hier weniger Entwicklungen, die zu einem transparenteren Markt führen könnten. Auch alternative Anbieter tun sich aktuell in diesem Marktsegment noch sehr schwer.

Aber auch hier werden längerfristig die verstärkte Professionalisierung des Einkaufs von Rechtsdienstleistungen und neue Anbieter von Vergleichsportalen für juristische Dienstleistungen im B2B-Segment für weitere Schritte hin zu einer stärkeren Commoditisierung sorgen.

Was kann man also tun?

Um dieser Commoditisierung zu entgehen, sollten juristische Dienstleister also ihre aktuelle Ausrichtung in Bezug auf Alleinstellungsmerkmale kritisch hinterfragen, in die Digitalisierung und Professionalisierung ihrer Organisation investieren und einen Entwicklungsplan für das eigene Dienstleistungsportfolio aufstellen.

Wer sich der Weiterentwicklung der eigenen Dienstleistung nicht verschließt und bereit ist, sich weiterzuentwickeln, wird auch in Zukunft in der wachsenden Branche der Rechtsdienstleistungen gute Geschäfte machen und dabei für die eigenen Mandanten eine insgesamt bessere Dienstleistung anbieten können.


[1] www.agb.de/gratis-agb

[2] www.flightright.de

[3] www.advocado.de

[4] www.anwalt24.de

Weiterlesen

Alles beginnt und endet mit der richtigen Einstellung – aber ist es wirklich so einfach?

Das neue Jahrzehnt hat gerade erst begonnen und man hat den Eindruck eine Einsicht hat sich im Rechtsmarkt durchgesetzt: Legal Tech ist wichtig. Man sollte etwas in diese Richtung unternehmen. Doch warum bleibt es meist bei dieser recht nüchternen Feststellung? Warum straucheln immer noch die meisten, wenn es darum geht echte Projekte auf die Beine zu stellen oder erfolgreich Produkte zu implementieren? Denn an zwei Sachen mangelt es im Grunde nicht. Zum einen gibt es im juristischen Bereich sicherlich genügend schlaue Köpfe, die in der Lage sind komplexeste Sachverhalte von unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und zu evaluieren. Zum anderen geht es vielen Kanzleien wirtschaftlich gut. Die Möglichkeit ein Budget für Legal Tech zu mobilisieren dürfte vorhanden sein. Doch woran scheitert es dann? 


Bilanz 

Festzustellen ist zunächst, dass es nicht reicht Digitalisierung um der Digitalisierungswillen durchzuführen. Ein schlechter Prozess wird nicht dadurch besser, dass er digitalisiert wurde. Software einzukaufen und sie dann nicht richtig zu implementieren ist ebenso wenig zielführend. Denn Ansammlungen von „da haben wir doch dieses Tool, aber das habe ich noch nie benutzt“ Software bringt niemanden weiter. Doch auch über diesen Zustand sind sich viele Kanzleien bewusst. 


Einstellungen 

Unterm Strich ist das Wissen vorhanden, doch woran es mangelt ist die Umsetzung. Und die geht ganz entscheidend einher mit der richtigen Einstellung zu Legal Tech. Eine Einstellung ist die aus der Erfahrung kommende Bereitschaft eines Individuums, in bestimmter Weise auf eine Person, ein Objekt oder eine Vorstellung wertend zu reagieren. Beispiele sind Vorurteile oder aber auch Sympathien. Diese können sich bewusst oder unterbewusst etablieren. Ganz maßgeblich resultieren Einstellungen jedoch aus unseren Erfahrungen. Drei Einstellungen, die uns zu Legal Tech immer wieder begegnen sind die folgenden: 

  1. Nur die durch den (menschlichen) Juristen erbrachte juristische Arbeit ist qualitativ wertvoll.
  2. Juristen können alles gut einschätzen.
  3. Das lohnt sich alles nicht.

Change-Management 

Die Frage die sich stellt ist somit, wie diese alten Einstellungen in neue Einstellungen transformiert werden können. Etwa in: 

  1. Digitale und standardisierte Dienstleistungen erhöhen Transparenz und Qualität
  2. Es ist okay, dass ich nicht alles kann und mir helfen lasse.
  3. Digitalisierung ermöglicht es mir mit weniger repetitiver Arbeit mehr Geld zu verdienen und mich auf meine Kernkompetenzen zu fokussieren. 

Um diese neuen Einstellungen zu erreichen lohnt es sich einen Blick auf die typischen im Change-Management vertretenen Modelle zu werfen. Zum einen kann die emotionale Seite eines abrupten Veränderungsprozesses betrachtet werden. Von Schock und Angst vor der neuen Situation, über Ablehnung, hinzu rationaler Einsicht und schließlich zu emotionaler Akzeptanz sowie der Erkenntnis und Integration einer Veränderung ist hier eine gesamte Palette an Emotionen vorzufinden. Es ist demnach lohnenswert zu evaluieren an welchem Punkt der Emotionen man steht. So kann die erste Phase des Schocks zum Beispiel mit einem starken Nachlass der Produktivität sowie aktivem Bekämpfen der Veränderung einhergehen. Diese Emotionen sind jedoch ganz normal und verändern sich über die Zeit. Das im Kopf zu behalten kann ein wichtiger Faktor bei der Etablierung von Veränderungen sein.  

Weiterhin wirken bei einem Veränderungsprozess immer zwei Kräfte gegeneinander. 

Die einen möchten den Erhalt des Status Quo fördern, die anderen wollen Veränderungen provozieren. Eine Veränderung kann außerdem in drei Phasen eingeteilt werden. 

  1. Auftauen: Vorbereitung auf die Veränderungen, wie Analyse, Information, Diskussion und Motivation – Initiierung eines Veränderungsbewusstseins 
  2. Bewegen: Änderungen durchgeführt, Lösungen generiert, Neues wird ausprobiert, Reaktionsweisen werden herausgebildet und der Status Quo wird verlassen.
  3. Einfrieren: Um- und Eingewöhnung an die neue Situation, durch Stabilisation wird ein Gleichgewicht hergestellt. 

Diese Phasen sind selbstverständlich nicht immer gleich lang. Gerade die Phase des Freezings wird unter durch agiles Projetmanagement immer kürzer.

Was braucht es also für erfolgreiche Veränderungen? 

Die Changemanagementmodelle zeigen, für erfolgreiche Veränderungen müssen zunächst alte Einstellungen identifiziert werden. Der Prozess, der nun folgt, ist geprägt von Höhen und Tiefen. Widerstände werden entstehen aber wichtig ist zu wissen: sie werden sich auch wieder lösen. Um den Blick darauf nicht zu verlieren, hilft es die vorgestellten Modelle im Kopf zu behalten.

Quellen: 
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/einstellung-34889
http://www.kurt-lewin.de/3-phasen-modell.shtml

Weiterlesen

Legal Tech Podcast

Neuland – Der Legal Tech Podcast

In den letzen Jahren, in denen wir uns intensiv mit Legal Tech beschäftigt haben, haben wir auch unzählige spannende Gespräche rund um dieses Thema geführt. Große Punkte waren dabei die Digitalisierung und Zukunft der Juristerei und alle damit einhergehenden Auswirkungen und Möglichkeiten. Diese Gespräche haben uns und unser Mindset entscheidend verändert. Denn durch den Austausch mit Experten aus Wissenschaft und Praxis konnten wir tiefgreifende Einblicke gewinnen und lernen, den Markt besser einzuschätzen. Und unserer Meinung nach ist es genau dieser Austausch, von dem nicht nur wir, sondern auch alle anderen Akteure des Rechtsmarkts profitieren können.

 

Warum ein Podcast?

Der Trend Podcast ist nun schon weit fortgeschritten, dass man sich fragen kann ob er nicht bald schon wieder passe ist. Nachdem wir Juristen in so manchen Entwicklungen das ein oder andere mal hinterherhinken, könnte es also genau der richtige Zeitpunkt sein 😉 Spaß beiseite, ein Podcast bietet vor allem die Möglichkeit, ungefiltert und frei gesprochene Inhalte zu transportieren. Außerdem sind wir selbst große Podcast-Fans. Ob auf dem Arbeitsweg oder beim Sport, durch einen Podcast kann schnell und einfach viel Wissen aufgenommen werden. Hinzu kommt, dass uns schlichtweg die Zeit fehlt, regelmäßig aufwendige Blog Artikel zu schreiben und das auch nicht der Kern unserer Arbeit ist. Deswegen erscheint uns ein Podcast die ideale Möglichkeit unser Wissen zu teilen sowie unser Netzwerk mit spannenden Gesprächspartnern zu bereichern.

 

Ausblick

Der Podcast dreht sich immer um das Kernthema: Digitalisierung des Rechtsmarkts. Dazu laden wir im 2-3 Wochentakt spannende Gesprächspartner ein, die in 20 Minuten zu ihrer Sicht der Dinge interviewt werden. Dabei möchten wir kritische Fragen stellen sowie einen aktiven Diskurs anregen. Denn im Zentrum steht immer die große Frage wie Legal Tech den Rechtsmarkt verändern wird (oder bereits hat).

Bei Anregungen, Kritik oder dem Wunsch selbst im Podcast zu erscheinen freuen wir uns jederzeit über Nachrichten unter podcast@sfs-legaltech.de
Weiterlesen

Die Startup-Kanzlei

Trugschluss: „Uns betrifft das nicht, ich arbeite in einer Großkanzlei.“

Seit wir uns intensiv mit der Digitalisierung des Rechts und Legal Tech beschäftigen, begegnen uns Sätze wie dieser am laufenden Band.  Bei der Gründung und dem Aufbau der Munich Legal Tech Student Association und SFS Legal Tech Beratung haben wir mit unzähligen Partnern und Anwälten aus Großkanzleien über Legal Tech gesprochen. Hier verraten wir, welche Optionen Kanzleien bleiben, wenn sie auf dem sich verändernden Rechtsmarkt bestehen wollen.

Bei diesen Gesprächen war auch immer die Auswirkung von Legal Tech auf den Rechtsdienstleistungsmarkt im „High-End-Bereich“ ein vieldiskutiertes Thema. Bis auf äußerst wenige Ausnahmen wurde dabei stets die These vertreten, dass die Digitalisierung des Rechts für die Durchsetzung von Verbraucherschutzrechten „ganz nett“ sei. Ihre eigene juristische Tätigkeit wurde in der Regel von den Anwälten aber als „so komplex und individuell“ beschrieben, dass hier die Digitalisierung, auch auf lange Sicht, keine nennenswerten Auswirkungen nach sich ziehen würde, so die Meinung vieler Kanzleien.

 

Disruption von innen!

Dieser Ansicht wollen wir eine These entgegenstellen: Die Digitalisierung des Rechts wird durch eine neue Art von Kanzleien auch die klassische „High-End“-Beratung massiv unter Druck setzen. Die echte Disruption der Rechtsberatung muss nicht zwingenderweise von außen kommen, sondern kann von innen, aus der Welt der Kanzleien selbst stammen.

Parallele zur Finanzbranche: Disruption durch Fintechs

Eine Parallele kann hier zur Finanzbranche gezogen werden. Die Finanzbranche ist stark reguliert und hohe Eintrittshürden erschweren Innovationen durch neue Unternehmen. Aber trotzdem haben sich einige der Fintechs in den letzten Jahren gegenüber klassischen alten Banken durchsetzen können. Erst diesen Sommer wurde das Technologie- und Finanzdienstleistungs-Unternehmen Wirecard höher bewertet, als die Deutsche Bank und hat den Platz der Commerzbank im DAX übernommen. [1]

Wirecard ist dabei kein typisches Startup, sondern eine volle, von der BaFin regulierte Bank. Die Disruption eines Teilbereichs der Finanzdienstleistungsbranche wurde also nicht von einem nicht regulierten externen Unternehmen erreicht, sondern von einem Unternehmen, welches einen Teil des klassischen Bankgeschäfts von Anfang an anders, neu und digital aufgebaut hat.

Rechtsberatungsmarkt heute: ein kompetitiver Markt mit steigenden Anforderungen

Der Rechtsberatungsmarkt heute ist hochkomplex und kompetitiv. An Kosten („Less for More“) sowie Qualität der Beratung werden immer höhere Anforderungen gestellt. Gleichzeitig fällt es immer schwerer geeigneten juristischen Nachwuchs zu finden.

Regulatorik – Wie lange können Legal Tech-Startups noch zurück gehalten werden?

Neben den beschriebenen Treibern stellte zudem bisher die Regulatorik des klassischen Rechtsberatungsmarkts eine Art Schutzschild dar, indem „echte“ Legal Techs aus dem Markt gehalten wurden. So können lediglich Verbraucheransprüche über echte Inkassostrukturen oder über Inkassodienstleistungslizenzen durchgesetzt werden. Kanzleien, die klassische Rechtsberatung auf eine neue Art am Markt anbieten, sind aktuell äußerst rar gesät.

 

Die Startup-Kanzlei

Was aber wäre, wenn sich eine Gruppe junger, digitalaffiner und hochqualifizierter Juristen aufmachen und eine neue Kanzlei in einem klassischen Beratungsfeld der Großkanzleien, wie zum Beispiel dem Kapitalmarktrecht, gründen würde? Zusammen mit Entwicklern, Designern und Betriebswirten würde etwas Neues entstehen: Die erste echte Startup-Kanzlei wäre geboren. In Bezug auf den Digitalisierungsgrad 100 Prozent auf dem Stand des heute Möglichen, ohne jede technische Altlasten und zugleich hochspezialisiert.

Neue, bessere Prozesse für mehr Qualität

Mit neuen, deutlich besseren Prozessen und unter Einsatz von allen technischen Möglichkeiten unserer Zeit könnte diese Startup-Kanzlei operieren – einem interdisziplinären Ansatz bei der Standardisierung von juristischen Lösungen und mit einem anderen Geschäftsmodell als die meisten anderen Kanzleien es aktuell noch leben. Eine solche Kanzlei könnte unter geringeren Kosten eine höhere Beratungsqualität erbringen und wäre innerhalb des Geschäftsmodells deutlich weniger abhängig von der Verfügbarkeit vieler hochqualifizierter Fachkräfte. Denn der neue wirtschaftliche Hebel wäre nicht, möglichst viele Associates und sonstige Mitarbeiter zu möglichst hohen Stunden für möglichst viel Zeit für einen Mandaten arbeiten zu lassen, sondern durch Standardisierung und innovative Prozesse für die Mandanten einen erheblichen Mehrwert zu generieren, der unabhängig von der geleisteten Zeit der Kanzleimitarbeiter vergütet würde. Der neue Hebel wäre Exzellenz in Effizienz.

 

Welche Optionen bleiben den Kanzleien?

Wie kann nun aber mit einem solchen Zukunftsszenario umgegangen werden? Im Ergebnis sind vier Handlungsoptionen auszumachen, von denen die ersten beiden eher passiv, die letzten beiden aktiv sind.

Option 1: Machen wir es wie der Strauß: Stecken wir den Kopf in den Sand

Diese Option ist sicherlich gerade für ältere Partner durchaus attraktiv: die Veränderungen einfach aussitzen und sich langsam aus dem Markt drängen lassen.

Option 2: Adopt and Pray

Natürlich kann auch die Hoffnung bestehen, einfach das zu nehmen, was der Markt an bereits etablierten technischen Lösungen bietet. Die Kanzlei, die eine solche Option wählt, würde sich dann aber darauf verlassen, dass genug übrig bleibt.

Option 3: First Mover sein

Aktiver wäre hingegen first mover oder Pionier zu sein! Durch lernen und testen könnte so die Digitalisierung des Rechtsmarkts selbst mitgestaltet werden.

Option 4: Investieren

Neben all diesen Optionen steht die vierte: Investieren. Denn auch durch Investitionen kann an diesem spannenden Markt partizipiert werden.

 

Fazit: Handeln statt träumen!

Wichtig bei all diesen Überlegungen ist vor allem eines: dass sie getätigt werden. Die Digitalisierung ist, wie man so schön sagt, „here to stay“. Verschließen wir also nicht die Augen und verlieren wir uns nicht in Träumereien vom Robo-Lawyer, sondern gestalten wir die Zukunft des Rechts in allen Bereichen schon jetzt aktiv mit.

 

[1] Berliner Morgenpost, 16.08.2018: Fintech Wirecard ist jetzt mehr wert als die Deutsche Bank

 

Dieser Artikel wurde parallel auf legal-tech.de unter https://www.legal-tech.de/die-startup-kanzlei-so-entwickeln-sie-zukunftsfaehige-geschaeftsmodelle/ veröffentlicht.

Weiterlesen

Was wir uns für den Rechtsmarkt in 2019 wünschen

Der Jahreswechsel ist bekanntlich Zeit für gute Vorsätze und Ziele im kommenden Jahr. Wir haben unsere Pläne für 2019 in einen Topf geworfen und stellen unsere sieben Wünsche für Schlagzeilen, die den Rechtsmarkt im neuen Jahr voranbringen würden, vor.

1. Bund und Länder bringen offizielles git Repository für Gesetze und Verordnungen an den Start

Git ist ein bei Entwicklern weit verbreiteter Versionierungsstandard. Diese Vorteile nutzen Bund und Länder jetzt für den gesamten Veröffentlichungsprozess von Gesetzen. Damit wird jede Gesetzesänderung als Revision (commit) mittels eines Hashes versehen, der auf dem vollständigen Verlauf, welcher zu dieser Änderung geführt hat, basiert. Damit kann die Versionsgeschichte nachträglich nicht manipuliert werden, es gibt eine offiziell gültige Online-Fassung von Gesetzen und die Entstehungsgeschichte von Normen ist öffentlich für jeden zugänglich.

2. Entscheidungen aller Gerichte werden anonymisierten veröffentlicht

Alle Welt spricht von Künstlicher Intelligenz (KI) und auch der deutsche Rechtsmarkt arbeitet in verschiedenen Projekten an den Möglichkeiten automatisierter Entscheidungsfindung. Das größte Hemmnis dabei – die fehlenden Trainingsdaten, mit denen jeder Algorithmus in dem Bereich weiter verbessert wird – wurde vom Gesetzgeber nun erkannt und beseitigt. Ab sofort werden alle Entscheidungen deutscher Gerichte vollautomatisch anonymisiert und über eine zentrale Plattform im Volltext veröffentlicht. Von dort können sie auch mittels einer REST-API von Entwicklern ausgelesen werden.

3. Legal Tech Hub in München geht an den Start

In Kooperation mit Partnern aus Großkanzleien, Rechtsabteilungen internationaler Unternehmen und den Münchner Universitäten geht der erste Legal Tech Hub Münchens im Werkviertel an den Start. Die einzigartige Kombination aus beliebtestem Wirtschaftsstandort und exzellentem Nachwuchs werden genutzt, um den Rechtsmarkt von morgen zu gestalten und München als Legal Tech Hauptstadt zu etablieren.

4. Erste Vollzeit Professur für Legal Tech an einer juristischen Fakultät

Oft wurde es gefordert und nun ist es Realität: Die erste deutsche juristische Fakultät richtet eine Vollzeitprofessur für Legal Tech ein. Mithilfe von namenhaften Partnern aus der juristischen Praxis sollen nun die mittel- und langfristigen durch die Digitalisierung hervorgerufenen Veränderungen des Rechtsmarkts untersucht werden und Vorschläge entwickelt werden, wie sich die juristische Ausbildung an diese Veränderungen anpassen muss. Dazu der Dekan der Fakultät: „Durch unseren neuen Lehrstuhl für Legal Tech haben wir uns für die Zukunft sehr gut aufgestellt und können so auch für die nächsten Jahre sicherstellen, dass wir die absoluten Toptalente für unsere Universität gewinnen und ausbilden können.“

5. beA 2.0: endlich klappt es wirklich

Die Bundesrechtsanwaltskammer reagiert auf die heftige und breite Kritik an dem besonderen elektronischen Anwaltspostfach (beA). Die Verantwortlichen entschließen sich dazu, das System von Grund auf neu zu denken und zu entwickeln. Betraut werden eine interdisziplinär aufgestellte Expertenkommission aus Juristen, Softwarearchitekten, Prozessanalysten und Kommunikationsexperten, die Entwicklung übernimmt eine in Deutschland ansässige Webagentur. Hauptaugenmerk soll eine Überarbeitung des Benutzer- und Rollenkonzepts, eine unkomplizierte Anbindung an Kanzleisoftware, verbessertes UX-Design, die Nutzung über das Smartphone und eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sein.

6. Neuer Gesetzentwurf zur Deregulierung des Anwaltsmarkts: Fremdbesitzerverbot wird gelockert

Investitionen im Legal Tech Bereich werden maßgeblich durch BRAO § 59e Abs. 1 S. 1 behindert, welcher lautet: „Gesellschafter einer Rechtsanwaltsgesellschaft können nur Rechtsanwälte und Angehörige der in § 59a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 genannten Berufe sein.“ Der Gesetzgeber ist bei der Ausgestaltung dieser Vorschrift seiner Konzeption der Rechtsanwalts-GmbH als reine Berufsausübungsgesellschaft gefolgt. Dass die verschiedenen Herausforderungen an den Rechtsmarkt nur bei einer Zusammenarbeit mehrerer Professionen – u. a. Software- und Prozessspezialisten – gelöst werden können, hat der Gesetzgeber mittlerweile berücksichtigt und ermöglicht es dank der geplanten BRAO-Novelle künftig auch Angehörigen anderer Berufsfelder, Gesellschafter einer Anwalts-GmbH zu werden.

7. Erste interdisziplinäre Startup-Kanzlei gegründet

Fünf Senior Associates aus Großkanzleien haben den Schritt gewagt und eine Startup-Kanzlei gegründet. Mit von vornherein digitalen Prozessen und einem interdisziplinären Team machen Sie den ganz großen Kanzleien echte Konkurrenz. „Durch einen starken Fokus auf die Mandantenbedürfnisse und einem konsequenten digitalen Ansatz gelingt es uns, einen echten Mehrwert für unsere Mandanten zu schaffen“, so der frisch gebackene Managing Partner.

Dieser Artikel wurde parallel leicht abgewandelt auf dem Legal Tech Blog unter https://legal-tech-blog.de/was-wir-uns-fuer-den-rechtsmarkt-im-jahr-2019-wuenschen veröffentlicht.

Weiterlesen

SFS veranstaltet Legal Tech Pitchnight in München

Dass Startups sich vor Investoren stellen und in einem kurzen Pitch ihr Unternehmen präsentieren, ist heutzutage keine Besonderheit mehr. Es wimmelt nur so von Startup Events und auch die jährlichen Investments von Fonds und Business Angels können sich sehen lassen. Dies gilt allerdings nicht für jede Branche. Der Rechtsmarkt kriecht der Digitalisierung langsam hinterher und kann auch im Bereich Startups viel zu wenige Investments verbuchen.

 

Digitalisierung als Enabler im Rechtsmarkt

Das Ausgangsproblem, dass Gesellschafter einer Rechtsanwaltsgesellschaft ausschließlich zugelassene Rechtsanwälte sein können und ein Invest im Bereich Legal nur schwer möglich ist, wird zunehmend durch drei Faktoren neutralisiert. Digitalisierte Prozesse benötigten Software, die heute oft auf Basis einer SaaS Lösung skalierbar lizenziert werden. Öffnungen im Recht, wie z.B. der Datenschutzbeauftragte der DSG-VO zeigen, dass es einen Trend zur Öffnung der strengen Rechtsberatungsregelungen gibt und die Möglichkeit Ansprüche als Inkassodienstleister anzukaufen ermöglicht spannende Handlungsspielräume im Bereich access to justice.

 

Legal Tech Pitchnight als Plattform

Um Investitionen in die Rechtsbranche zu fördern und eine neue Plattform für den Austausch zwischen Legal Tech Startups und Investoren zu schaffen, fand am 13. November 2018 die von SFS veranstaltete Legal Tech Pitchnight statt. Insgesamt sieben Startups präsentierten ihr Unternehmen in 15-minütigen Pitches. Anschließend konnten Investoren Fragen stellen. Hier zeigte sich, dass die Startups allesamt bestens vorbereitet waren. Auch auf schwierige und detaillierte Fragen konnte gut pariert werden. Dabei waren die Startups sowohl thematisch als auch von ihrem Stand her gut gemischt. Von gerade erst gegründeten Unternehmen bis hin zu Startups mit bereits 30 Mitarbeitern, war alles dabei.

Spannende Pitches…

Datenschutzexperte und Usercentrics führten zum Beispiel anschaulich durch die Geschäftsmodelle und Möglichkeiten im Bereich des Datenschutzrechts. Die Lawtechgroup stellte ihr Konzept im Bereich der Rückabwicklung von Lebensversicherungen vor. Lex Superior präsentierte nach einer kurzen Pause ihre Vision einer digitalisierten juristischen Ausbildung. Anschließend zeigte Rfrnz wie Kanzleien oder Rechtsabteilungen in Zukunft mit Hilfe ihrer Software eine automatische Vertrags- oder Dokumentenanalyse durchführen können. Smashdocs führte in einem lebhaften Pitch alle Schwächen von Word vor und erklärte, wie Smashdocs dies löst. Zum Schluss präsentierte sich mit eternitas noch ein Startup aus dem Blockchainbereich und der großen Vision Testamentsvollstreckung zu revolutionieren.

 

… und ein reger Austausch

Zwischen den Pitches gab es Snacks und Getränke. Es entstand ein reger Austausch und viele Kontakte konnten geknüpft werden. Um weiterhin Investements in Legal Tech Startups zu fördern und diese für Investoren auch erst einmal sichtbar zu machen, findet am 07. Mai 2019 bereits die  nächste Legal Tech Pitchnight statt. Wer sich für einen Platz als Startup bewerben möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Ebenso freuen wir uns über interessierte Investoren oder Business Angels. Tragen Sie sich gerne in unseren Verteiler ein, um jederzeit auf dem neuesten Stand zu sein.

Alle Informationen unter www.legaltech-pitchnight.de.

Weiterlesen

Hallo Zukunft?

Frauen im Legal Tech Bereich? Wenn man sich die Vorträge, Startups oder Panels ansieht handelt es sich dabei auf den ersten Blick wohl eher um eine Rarität. Genau aus diesem Grund, riefen die Kanzlei Hogan Lovells, das Legal-Tech-Unternehmen Bryter und der Legal Tech Blog die Liste der „Women of Legal Tech“ ins Leben.

 

Women of Legal Tech 2018 gestalten die Rechtsbranche

Es gibt sie definitiv: Die Frauen, die diesen Bereich mit Mut und Weitblick verändern und formen. Über ihr Netzwerk  baten die Initiatoren um Nominierungen, welche anschließend durch eine hochkarätige Jury (Dr. Astrid Auer-Reinsdorff, Yvonne Draheim, Susanne Reinemann, Prof. Dr. Louisa Specht, Markus Hartung) bewertet wurden. Aus 50 Nominierungen wurde eine Liste mit 26 Frauen zusammengestellt. Dabei war es nicht ausschlaggebend, ob im kommerziellen oder ehrenamtlichen Bereich gearbeitet wurde. Wichtig war, dass das Engagement die Legal Tech Branche positiv mitgestaltet hat.

Aus diesem Grund wurde auch SFS-Mitgründerin Charlotte Falk nominiert und durch die Jury in die Liste der „Women of Legal Tech 2018“ aufgenommen. Grund waren Mitgründung des Vereins MLTech, welcher Studierende aller Fachrichtungen rund um das Thema Legal Tech zusammenbringt sowie der Legal Tech Beratung SFS.

 

Auszeichnung durch die Bundesjustizministerin a.D. Brigitte Zypries

Im Rahmen des Anwaltszukunftskongresses von Soldan und Wolters Kluwer Deutschlandwurden nach der Laudatio der ehemaligen Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries, die Auszeichnungen verliehen. Neben einer medialen Sichtbarkeit durch Artikel auf lto oder dem Legal Tech Blog half diese Initiative auch sich untereinander zu vernetzen und viele interessante Kontakte herzustellen. Eine tolle Initiative, die es hoffentlich so lange gibt, bis sie überflüssig ist.

Direkt im Anschluss an die Preisverleihung begann das Finale der ersten Legal Tech Competition ausgerichtet von Hogan Lovells. Der SFS-Mitgründer Jonas Siglmüller trat dabei mit seinen Teamkollegen mit der Anwendung NEUNZEHNVIER.GG gegen neun weitere Teams aus ganz Deutschland an. Das neue Format richtet sich an Studierende in Deutschland, denen es zur Aufgabe gemacht wurde, ein beliebiges Problem auf dem Rechtsmarkt mittels Software zu lösen.

 

Drei innovative Anwendungen im Finale der Legal Tech Competition

Neben NEUNZEHNVIER.GG war ein Team aus Würzburg mit einer Gründer-App zur Bestimmung der passenden Rechtsform für ein Startup und zwei Studenten aus Freiburg, die mit Verify Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens auf die Ethereum-Blockchain bringen, ins Finale eingeladen.

Mit der Konzeption und Entwicklung einer access to justice-Anwendung, die den Antrag von Beratungs- und Prozesskostenhilfe für Betroffene erheblich vereinfacht, ist es dem Team um Jonas gelungen, den ersten Platz nach München zu holen. Die Jury betonte besonders die bereits sehr ausgereifte Entwicklung sowie die professionelle Präsentation des Tools.

 

Mit einem neuen access-to-justice-Ansatz zum Sieg

Die Siegeranwendung, die von einem umfangreichen juristischen Entscheidungsbaum in einer eigens entwickelten Datenbankstruktur gesteuert wird, fragt relevante Informationen für die verbraucherrelevantesten Rechtsgebiete und die Bedürftigkeit ab und erstellt im Ergebnis vollautomatisch ein Antrag als PDF, der mit einem Klick an das automatisch ermittelte zuständige Gericht gesendet werden kann.

Die Legal Tech Competition wurde mit einer Führung durch die Düsseldorfer Altstadt und einem Showcooking-Event in der Steakschmiede abgerundet. Dieser Wettbewerb ist ein tolles Format, das Juristen schon im Studentenalter dazu bringt, eigene Ideen umzusetzen und den Rechtsmarkt von morgen aktiv mitzugestalten.

Es bewegt sich also einiges im Bereich Legal Tech und wir freuen uns Teil davon zu sein und diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten.

Weiterlesen

Der unterschiedliche Einfluss von Legal Tech auf Rechtsanwendung und Rechtsdienstleistung

„Es kommt darauf an“ ist die Lieblingsantwort aller Juristen, denn sie sind die Könige des Differenzierens. Schon im Studium wird das zunächst pedantisch wirkende Herausarbeiten von Unterschieden in zahlreichen Fallvarianten eingeübt, in der Praxis setzt sich diese Kunst in einer akkuraten und einzelfallbezogenen Argumentation fort. Aber wieso werfen wir diese Kernkompetenz über Bord, sobald es darum geht, unsere eigene Arbeit zu bewerten und auszurichten?

 

Ein Plädoyer für eine differenzierende Herangehensweise

Legal Tech ist in aller Munde: Von großartigen Chancen für die Rechtsbranche und Umbrüchen im Arbeitsalltag eines jeden Rechtsanwalts ist die Rede, andere fürchten den Anfang vom Ende der Juristerei, wie wir sie heute kennen. Die Wahrheit liegt wohl – wie so oft – in der Mitte, aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen, denn ehe über Wirkungen gemutmaßt wird, sollten die Einflüsse des technologischen Fortschritts überblickt werden. Die klassische Anwaltsarbeit lässt sich bei genauem Hinsehen in zwei Bereiche gliedern: Während sich die Rechtsanwendung, primär Sachverhaltsbewertung und Subsumtion, als originäre und zugangsbeschränkte Tätigkeit des Rechtsanwalts in den letzten Jahrzehnten systematisch kaum veränderte, erfährt die Rechtsdienstleistung, die all jene Kompetenzen und Tätigkeiten außerhalb der Rechtsanwendung umfasst, tiefgreifende Änderungen.

 

Technologie als Vertikale in der Rechtsanwendung

Der geneigte Leser wird der Aussage, die Rechtsanwendung habe sich kaum verändert, sogleich wertvolle Anwendungen wie juristische Datenbanken (z.B. Beck-Online), Vertragsgestaltungs- und -managementdienste (z.B. Lawlift und Freshservice) und Complianceplattformen (z.B. Lexemo CARA) entgegenhalten – zu Recht. Während diese Möglichkeiten die alltägliche Arbeit zweifelsohne bereichern, bleiben sie dennoch bloßer Bestandteil der Werkzeugkiste des Rechtsanwenders. Der Handwerker, der heute ein Lasergerät statt eines Zollstocks einsetzt, verändert sein Vorgehen, die Tätigkeit aber bleibt die gleiche. Mit anderen Worten ist Legal Tech im Rahmen der Rechtsanwendung eine Vertikale in einem Prozess, der mit guten Gründen dem Rechtsanwalt vorbehalten ist und bleibt.

 

Geänderte Anforderungen an das Rechtsdienstleistungsmodell

Anders hat sich die Technologie bei der Ausführung der Rechtsdienstleistung entwickelt. Neben klassischer Anwaltsarbeit stehen Mandantenakquise, Problemdefinition, Sachverhaltsermittlung und Abwicklung im Fokus. Der steigende Kostendruck, die zunehmende Komplexität der Regulatorik und die Knappheit personeller Ressourcen sind die maßgeblichen Herausforderungen von Rechtsanwaltskanzleien und Rechtsabteilungen im 21. Jahrhundert. Dem ist nur mit einer Steigerung der Effizienz Herr zu werden; zu beobachten sind dabei zwei maßgebliche Veränderungen, die sich gegenseitig bedingen:

Der Einsatz von Software im gesamten Projektverlauf und ein datengetriebenes Verständnis von Prozessoptimierung ermöglichen eine Entlastung von Mitarbeitern und die Konzentration vorhandener Ressourcen auf zentrale Fragestellungen, als auch die Erarbeitung von Automatisierungspotential. Legal Tech wird – um im Bild zu bleiben –  zur Horizontalen, die sich auf alle Ebenen erstreckt. Die Notwendigkeit dieses Schritts ist aktuell in der Phase der Akzeptanz, von einer konsequenten Umsetzung sind die meisten Kanzleien und Rechtsabteilungen indes noch weit entfernt.

 

Interdisziplinarität als Schlüssel zur Rechtsdienstleistung von morgen

Denn damit dies gelingt, bedarf es einer zweiten Veränderung im Mindset: Juristische Kompetenz alleine wird dieser neuen Welt nicht gerecht, in der Softwarearchitekten, Projektmanager, Vertriebsprofis und Informatiker Hand in Hand mit Rechtsanwälten zusammenarbeiten, um die anstehenden Herausforderungen zu lösen.  Der Topjurist von morgen zeichnet sich nicht (nur) durch Prädikatsexamina, sondern vornehmlich durch ausgeprägte Kompetenzen in den Bereichen Business Development, Technology und Communications aus. Diese intrapersonelle Interdisziplinarität ermöglicht eine effektive Steuerung und Optimierung der Zusammenarbeit verschiedenster Professionen, die zur Lösung der Probleme unserer Zeit unverzichtbar geworden sind.

 

Schlussfolgerung

Der klassische Beruf des Rechtsanwalts wird nicht von Legal Tech „bedroht“ oder „verdrängt“. In einer Welt im steten Wandel läuft der Jurist, der seine Kompetenzen nicht erweitert und sich vor den bevorstehenden tiefgreifenden Veränderungen des Rechtsmarkts verschließt, aber Gefahr, im Prozess der Rechtsdienstleistung von einer Führungsperson zum bloßen Protagonisten der Rechtsanwendung zu werden. Denn was heute noch als rein juristische Tätigkeit eingestuft wird, könnte morgen schon von einem umtriebigen Legal Tech Startup schneller, günstiger und zuverlässiger erledigt werden.

Weiterlesen

SFS Blog

 

Der SFS Blog beschäftigt sich mit allem rund um das Thema Legal Tech. SFS ist eine Digital- und Innovationsberatung für die Herausforderungen des Rechtsmarkts von morgen. Wir ermöglichen Ihnen kreativ und konzeptionell über den Tellerrand zu blicken.

Unser Team ist interdisziplinär aufgestellt und immer motiviert neuen Entwicklungen auf den Grund zu gehen. Wir stellen Veränderungen auf den Prüfstand und beraten in Punkto Trends, die man nicht verpassen sollte. Wir denken nicht alt, sondern neu und sind damit der ideale Partner für zukunftsorientierte Unternehmen, die sich im Rechtsmarkt von morgen behaupten wollen.

Kategorien